An sonnigen Tagen kann eine hohe Photovoltaikproduktion zusätzliches Stromangebot in den Markt bringen. Das kann sich insbesondere in kurzfristigen Marktpreisen bestimmter Stunden zeigen. Für Unternehmen ist jedoch wichtig, zwischen allgemeinen Marktbewegungen, eigener Stromerzeugung und dem tatsächlich vereinbarten Gewerbetarif zu unterscheiden. Ein niedriger Preis in einzelnen Mittagsstunden bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jeder Betrieb unmittelbar weniger für seinen gesamten Strombezug bezahlt.
Wie beeinflussen sonnige Mittage den Strompreis?
Photovoltaikanlagen erzeugen vor allem während der hellen Tagesstunden Strom. Bei hoher Solarproduktion kann dadurch das verfügbare Angebot am Strommarkt steigen. Treffen hohe Erzeugungsmengen auf eine vergleichsweise moderate Nachfrage, können sich die Preise in einzelnen Zeitfenstern entsprechend verändern.
Marktpreise beziehen sich auf bestimmte Zeiträume
Ein beobachteter niedriger Mittagswert beschreibt zunächst nur das jeweilige Marktintervall. Bereits einige Stunden später kann sich die Situation verändern. Am Abend steigt beispielsweise bei vielen Verbrauchern die Nachfrage, während die Solarproduktion gleichzeitig zurückgeht.
Deshalb sollte ein einzelner günstiger Stundenwert nicht mit einem automatisch niedrigen Tages- oder Monatspreis gleichgesetzt werden. Für Unternehmen ist vielmehr relevant, wann Strom benötigt wird und unter welchen Bedingungen die Beschaffung erfolgt.
Sonnenschein ist nur ein Einflussfaktor
Die Preisentwicklung am Strommarkt hängt nicht ausschließlich vom Wetter ab. Neben der Solarproduktion spielen unter anderem Verbrauch, Windenergie, konventionelle Erzeugung, verfügbare Kraftwerkskapazitäten, grenzüberschreitender Stromhandel und weitere Marktfaktoren eine Rolle.
Eine einfache Aussage wie „viel Sonne bedeutet immer günstigen Strom“ greift daher zu kurz. Sonnige Tage können bestimmte Preisbewegungen begünstigen, garantieren aber keinen bestimmten Verlauf.
Gewerbetarif und Marktpreis unterscheiden
Für Unternehmen ist besonders wichtig, zwischen dem beobachteten Marktpreis und dem eigenen Stromtarif zu unterscheiden. Ein Marktwert kann sich verändern, ohne dass sich der Rechnungsbetrag eines Unternehmens im gleichen Moment entsprechend verändert.
Fixierte Preise reagieren nicht automatisch
Hat ein Unternehmen einen vertraglich festgelegten Preis vereinbart, können kurzfristige Bewegungen am Strommarkt zunächst ohne direkte Auswirkung auf den vereinbarten Arbeitspreis bleiben. Entscheidend sind die konkreten Vertragsbedingungen und die Art der Beschaffung.
Daher lässt sich aus einem günstigen Marktfenster nicht automatisch ableiten, dass ein Unternehmen für seinen gesamten Stromverbrauch weniger bezahlt.
Zeitabhängige Beschaffung anders bewerten
Bei einer zeitabhängigen Beschaffung kann der Zeitpunkt des Verbrauchs stärker ins Gewicht fallen. Benötigt ein Betrieb einen großen Teil seiner Energie genau während günstiger Marktstunden, kann diese zeitliche Übereinstimmung relevant sein.
Umgekehrt kann ein Unternehmen mit einem hohen Verbrauch in den Abendstunden eine andere Preisstruktur erleben. Deshalb sollte der Stromtarif immer gemeinsam mit dem tatsächlichen Verbrauchsprofil betrachtet werden.
Historische Strompreise richtig nutzen
Historische Preisverläufe können Unternehmen dabei helfen, wiederkehrende Muster und unterschiedliche Marktphasen besser zu verstehen. Ein historischer Strompreis-Chart von historische Strompreis-Chart von OPTUM kann beispielsweise zeigen, wie sich Preise über bestimmte Zeiträume entwickelt haben.
Charts liefern Orientierung, aber keine Garantie
Ein Chart ist vor allem ein Instrument zur Beobachtung. Er kann Fragen zur eigenen Beschaffung aufwerfen und dabei helfen, Preisbewegungen zeitlich einzuordnen.
Er sollte jedoch nicht als pauschaler Beleg dafür verstanden werden, dass jedes sonnige Mittagsfenster für jeden Betrieb wirtschaftlich gleich interessant ist. Historische Entwicklungen können sich außerdem nicht automatisch auf zukünftige Marktbedingungen übertragen lassen.
Einzelne Stunden im Zusammenhang betrachten
Sinnvoller als die isolierte Betrachtung eines einzelnen Tiefpunkts ist die Analyse eines längeren Zeitraums. Dabei können Unternehmen untersuchen, wann besonders niedrige oder hohe Preise auftraten und wie diese Zeitpunkte mit dem eigenen Verbrauch zusammenfallen.
So entsteht ein realistischeres Bild davon, welche Marktbewegungen für den jeweiligen Betrieb tatsächlich relevant sein könnten.
Eigene Photovoltaik verändert die Betrachtung
Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage haben eine zusätzliche Ebene zu berücksichtigen. Wird ein Teil des Strombedarfs direkt durch die eigene Anlage gedeckt, reduziert sich der Strombezug aus dem Netz insbesondere während der Produktionsstunden der Anlage.
Weniger Netzbezug zur Mittagszeit
An einem sonnigen Tag kann eine Photovoltaikanlage einen erheblichen Teil des eigenen Verbrauchs während der Mittagsstunden abdecken. Der Betrieb benötigt dann möglicherweise weniger Strom aus dem Netz, obwohl der Marktpreis zu dieser Zeit niedrig sein kann.
Für die Beschaffungsplanung ist deshalb nicht nur der allgemeine Strompreis interessant. Entscheidend ist auch die Frage, welche Energiemenge tatsächlich noch aus dem Netz bezogen werden muss.
Das verbleibende Verbrauchsprofil analysieren
Nach der Installation einer Photovoltaikanlage kann sich das Netzbezugsprofil eines Unternehmens deutlich verändern. Die bisherige Verbrauchskurve beschreibt dann möglicherweise nicht mehr die tatsächlich benötigte Beschaffungsmenge.
Eine Durchschnittsbetrachtung kann diesen Effekt verschleiern. Unternehmen sollten deshalb möglichst genau ermitteln, wann und wie viel Strom nach Berücksichtigung der eigenen Erzeugung weiterhin aus dem Netz benötigt wird.
Betriebszeiten beeinflussen den Strombedarf
Nicht nur eine Photovoltaikanlage kann das Verbrauchsprofil verändern. Auch Anpassungen der Betriebszeiten können einen erheblichen Einfluss auf den Zeitpunkt des Strombezugs haben.
Mehr Verbrauch am Abend
Wenn Produktionsprozesse beispielsweise stärker in die Abendstunden verlagert werden, entsteht ein anderes Bezugsprofil als bei einer stärkeren Nutzung während der Mittagszeit. Gleichzeitig steht dann möglicherweise weniger eigene Solarenergie zur Verfügung.
Eine Beschaffungsplanung sollte deshalb geplante Veränderungen der Arbeitszeiten, Produktion und Auslastung berücksichtigen.
Eigene Erzeugung und Nutzung gemeinsam planen
Die wirtschaftliche Betrachtung wird aussagekräftiger, wenn eigene Stromerzeugung und tatsächlicher Verbrauch gemeinsam analysiert werden. Dabei geht es nicht allein um die Frage, wie viel eine Photovoltaikanlage produziert.
Vielmehr sollte untersucht werden, wann diese Energie verfügbar ist, wann der Betrieb Strom benötigt und welche Restmenge aus dem Netz bezogen werden muss.
Drei Ebenen für eine realistische Strombewertung
Für Unternehmen lassen sich die wichtigsten Aspekte in drei Ebenen einteilen: Markt, Verbrauch und Vertrag.
1. Markt beobachten
Zunächst können Unternehmen die Entwicklung der Strompreise und ihre zeitlichen Schwankungen betrachten. Historische Charts können dabei helfen, unterschiedliche Marktphasen sichtbar zu machen.
2. Eigenen Verbrauch kennen
Anschließend sollte das tatsächliche Verbrauchsprofil analysiert werden. Besonders relevant ist, zu welchen Tageszeiten der Betrieb hohe Strommengen benötigt und wie sich eine eigene Photovoltaikanlage darauf auswirkt.
3. Vertrag berücksichtigen
Erst im dritten Schritt lässt sich beurteilen, wie Marktbewegungen tatsächlich mit den Kosten des Unternehmens zusammenhängen. Entscheidend sind dabei unter anderem Vertragsmodell, Preisstruktur und Beschaffungsart.
Diese drei Ebenen verhindern, dass aus einer einzelnen Marktbeobachtung vorschnelle Schlussfolgerungen für die gesamte Stromrechnung gezogen werden.
Was Unternehmen vor einer Entscheidung prüfen sollten
Bevor ein Unternehmen seine Beschaffungsstrategie verändert, sollten mehrere Fragen geklärt werden:
Wichtige Fragen zur Beschaffung
- Welche Strommenge wird tatsächlich aus dem Netz benötigt?
- Zu welchen Tageszeiten entsteht der höchste Verbrauch?
- Wie viel Strom wird durch eine eigene Photovoltaikanlage abgedeckt?
- Wie sieht das verbleibende Netzbezugsprofil aus?
- Welche Preisstruktur gilt im bestehenden Vertrag?
- Wie stark können kurzfristige Marktbewegungen den tatsächlichen Einkauf beeinflussen?
- Welche Änderungen bei Betriebszeiten oder Produktion sind geplant?
Eine solche Betrachtung schafft eine bessere Grundlage als die alleinige Beobachtung eines niedrigen Preises an einem sonnigen Mittag.
Fazit: Sonnige Stunden sind nicht gleich günstige Gewerbetarife
Sonnige Mittage können die Angebotslage am Strommarkt verändern und damit auch kurzfristige Preisbewegungen beeinflussen. Für Unternehmen bedeutet das jedoch nicht automatisch, dass jeder Gewerbetarif zu diesen Zeiten günstiger wird.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Marktpreis, eigenem Verbrauch, Photovoltaikerzeugung und vertraglicher Preisgestaltung. Besonders Unternehmen mit eigener Solarstromproduktion sollten den verbleibenden Netzbezug betrachten und ihre tatsächlichen Betriebszeiten berücksichtigen.
Ein historischer Strompreis-Chart von OPTUM kann dabei als Orientierung dienen, sollte aber immer im Zusammenhang mit den eigenen Verbrauchs- und Vertragsdaten interpretiert werden. Erst wenn diese drei Bereiche gemeinsam betrachtet werden, lässt sich die Bedeutung sonniger Mittagsstunden für die eigene Strombeschaffung realistisch einschätzen.
Häufig gestellte Fragen
1. Warum können Strompreise an sonnigen Tagen sinken?
Eine hohe Photovoltaikproduktion kann das Stromangebot während sonniger Stunden erhöhen. Treffen große Erzeugungsmengen auf eine entsprechende Nachfrage, können sich dadurch niedrigere kurzfristige Marktpreise ergeben. Der tatsächliche Preisverlauf hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.
2. Wird mein Gewerbetarif automatisch günstiger, wenn die Sonne scheint?
Nein. Ob sich eine Marktbewegung auf den Preis eines Unternehmens auswirkt, hängt vom jeweiligen Vertrag und Beschaffungsmodell ab. Ein kurzfristiger Marktpreis ist nicht automatisch identisch mit dem vereinbarten Gewerbetarif.
3. Welche Rolle spielt eine eigene Photovoltaikanlage?
Eine Photovoltaikanlage kann den Netzbezug insbesondere während sonniger Stunden reduzieren. Für die Strombeschaffung ist deshalb relevant, welche Energiemenge nach der eigenen Erzeugung tatsächlich noch aus dem Netz benötigt wird.
4. Warum ist das Verbrauchsprofil eines Unternehmens wichtig?
Der Zeitpunkt des Stromverbrauchs bestimmt, welche Marktpreise für den tatsächlichen Bezug relevant sein können. Ein Unternehmen mit hohem Mittagsverbrauch hat beispielsweise ein anderes Profil als ein Betrieb, dessen Verbrauch überwiegend am Abend entsteht.
5. Wie können historische Strompreis-Charts helfen?
Historische Strompreis-Charts können Preisverläufe und zeitliche Schwankungen sichtbar machen. Sie eignen sich zur Orientierung und Analyse, ersetzen jedoch keine individuelle Betrachtung des Verbrauchs, der eigenen Erzeugung und des geltenden Stromvertrags.
